Rolf De Marchi

Februar 27, 2018

Bunt schillernder Jazz

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:18 pm

Das Taubitz-Dobler Swing Quartet überzeugte durch seinen speziellen Sound und seine grosse Bandbreite an unterschiedlichen Jazzstilen.

Alle, die glauben, der Jazz töne immer gleich, wurden im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden eines Besseren belehrt. In einem vom Jazzclub Ja-ZZ organisierten Konzert bewies das Taubitz-Dobler Swing Quartet, wie abwechslungsreich Jazzmusik klingen kann. Ein Kontrabass, eine Gitarre, ein Vibraphon, eine Violine und kein Schlagzeug, diese ungewöhnliche Besetzung ermöglichte der Band einen selten gehörten Sound. Als musikalische Basis diente dem Quartett der locker swingende Gypsy-Jazz der Sinti und Roma. Die von Adam Taubitz gespielte Violine ist in dieser Musik häufig anzutreffen, das von Thomas Dobler geschlagenen Vibraphon allerdings kaum. Diese beiden Instrumente vereint ergaben ein spezielles Klangbild, durch dass beispielsweise ein wildes Stück wie “Ornithology”, das im Original vom berühmten Altsaxophonisten Charlie Parker hitzig gespielt wird, in der Version des Taubitz-Dobler Swing Quartets wie ein bunt schillerndes Jazz-Capriccio klang.
Natürlich durfte bei dieser Gelegenheit auch ein Stück des bekanntesten Gitarristen der Gypsy-Musik Django Reinhardt nicht fehlen. Fachkundig begleitet vom Gitarristen Dani Solimine und dem Kontrabassisten Thomas Dürr interpretierte Adam Taubitz auf seiner Violine einfühlsam den Reinhardt-Klassiker “Nuages”.
Generell überzeugte die Band durch ihre grosse stilistische Bandbreite. Vom swingenden Sound eines Benny Goodman oder Duke Ellington über den wilden Bebop eines Charlie Parkers hin zum Jazzrock eines Chick Corea, auf höchstem musikalischen Niveau drückte das Taubitz-Dobler Swing Quartet jedem von diesen unterschiedlichsten Jazzstilen seinen individuellen Stempel auf.

Januar 29, 2018

Ein Jazzfest

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:56 am

Im Schützen Kulturkeller interpretierten die Louisiana Hot Seven Klassiker des frühen Jazz.

„At The Jazz Band Ball“ war einer der ersten Stücke, das die Louisiana Hot Seven anlässlich ihres Konzerts im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden zum Besten gaben. 1928 hatte der grosse Jazztrompeter Bix Beiderbecke diese Stück auf Schellack gebannt und vermutlich haben die Hot Seven diesen Ohrwurm nicht zufällig gewählt. Offenbar hatte sich die Band zum Ziel gesetzt, diesen vom Jazzclub Ja-ZZ organisierten Abend im Schützen in ein Jazzfest zu verwandeln. Mit Engagement und ansteckender Spielfreude realisierte das Septett eine Perle des frühen Jazz nach der anderen.
Die Band existiert seit 1968 und hat sich auf die Interpretation des Jazz in den 1920er- und 1930er-Jahren spezialisiert. Unter der Leitung des Klarinettisten Röbi Leibundgut spielten die Louisiana Hot Seven Klassiker wie etwa den „Savoy Blues“ (1927) von Kid Ory oder den Titel „You Rascal you“ (1929) von Sam Theard, der auch zum Repertoire von Louis Armstrong gehörte. Aber auch seltener zu hörende Standarts wie „Copenhagen“ (1924) von Charlie Davis oder der „Dead Man Blues“ (1926) von Jelly Roll Morton wurden gespielt.
Es war ein Vergnügen, den Solisten Philipp Rellstab (Kornett), Mario Del Conte (Posaune) und Röbi Leibundgut (Klarinette) beim Formen ihrer akrobatischen Tongirlanden zuzuhören, die sie um die klassischen Melodien und Themen legten. Aber auch die Rhythmusgruppe mit Gery Meier (Banjo), Kurt Baer (Susaphon) und Rolf Bear am Waschbrett leistete ihren Beitrag. Mit akzentuiert geschlagenen Akkorden und dezent getupften Beats trieb sie die Musik voran. Zurückhaltend, fast bescheiden wirkte der Pianist des Septett, Jan Zeman. Bei genauerem Hinhören aber erwiesen sich seine packenden gestalteten Akkordketten als zentral für den swingenden Sound. Zwei Zugaben mussten die Louisiana Hot Seven geben, was im Schützen Kulturkeller selten vorkommt.

November 30, 2017

Schlichte Gradlinigkeit

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:16 am

Der 88-jährige Saxophonist und Komponist Benny Golson bewies, dass er nicht zum alten Eisen gehört.

Liebhaber des Jazz kennen Benny Golson als hervorragenden Tenorsaxophonisten, aktiven Jazzmusikern hingegen ist der 1929 in Philadelphia, Pennsylvania geborene Golson vor allem als Komponist von Jazzstücken bekannt. Mehrere dieser Stücke haben Eingang in das dicke Notenbuch „The Real Book“ gefunden, ein umfangreiches Kompendium mit Hunderten bekannter Jazzkompositionen, das von vielen Musikern als die Bibel des Jazz erachtet wird. Wer es schafft, mit einem Stück in dieses Buch aufgenommen zu werden, ist Teil der Geschichte.
Vom Jazzclub Q4 organisiert, spielte Benny Golson im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden, wo die wichtigsten dieser Kompositionen nicht fehlen durften. So blies der Saxophonist zusammen mit seinem Quartett den Klassiker “Killer Joe“, der dank vielen Interpretationen bekannter Jazzmusikern Kultstatus erlangt hat. Das Stück überzeugt durch schlichte Gradlinigkeit im Thema, perfekt gestützt von einer raffiniert korrespondierenden Harmonik.
Beherrscht spielte der 88-jährige das Thema mit der nötigen Lockerheit, um im anschliessenden Solo zu beweisen, dass er trotz seines hohen Altes konzentriert und spieltechnisch makellos zu spielen versteht. Begleitet wurde der Tenorsaxophonist von einem europäischen Jazztrio mit dem Pianisten Joan Munné, dem Bassisten Ignasi González und dem Schlagzeuger Joachim Krause. Sie unterstützten Benny Golson mit einem solide gespielten modernen Jazz, dem allerdings etwas mehr Witz und Experimentierfreude nicht geschadet hätte. Phänomenal auch Benny Golsons Gedächtnis bezüglich seinen zahlreichen Begegnungen mit vielen Grössen des Jazz. Unter anderen Dizzy Gillespie, Miles Davis, John Coltrane, Clifford Brown, zu jedem dieser Musiker wusste er eine kurzweilige Anekdote zu erzählen.

Juli 11, 2017

Jazz ist gut für die Verdauung

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:22 pm

In einem «Jazz-Brunch» im Garten des Hotels Schützen in Rheinfelden bewiesen «The Cotten Pickers», dass Essen und Musik sich ideal ergänzen.

Essen und Musik, das passte schon immer gut zusammen. Beide Genüsse sprechen unterschiedliche menschliche Sinne direkt an und ergänzen sich auf ideale Weise. Früher liessen sich die Fürsten durch klassische Musik den Appetit anregen, heutzutage besuchen die Liebhaber dieser Künste einen «Jazz-Brunch» wie vor kurzem im Garten und im Restaurant des Hotel Schützen in Rheinfelden. Beim Verspeisen einer leckeren andalusischen Gazpacho und Kalbsmedaillons an einer schmackhaften Thymiansauce konnten die Gäste als akustische Beilage quasi swingenden Jazz von «The Cotton Pickers» geniessen.
Das Sextett wurde 1981 formiert und hat sich auf die Interpretation von Dixieland-Jazz und Blues spezialisiert. Die Band probt in Gelterkinden und tritt in der Schweiz, Deutschland und Frankreich auf.
Die Cotton Pickers verfügen über einen grossen musikalischen Erfahrungsschatz, das war schon nach wenigen Takten zu hören. In Klassikern des frühen Jazz wie «Someday You’ll Be Sorry», «Sunny Side of the Street» oder dem legendären «Basin Street Blues» gestaltete der Trompeter Peter Gottstein die Hauptmelodie, die von lebhaften Tonketten des Klarinettisten Bernd Argast umsponnen wurde. Dazu die kraftvolle Posaune von Adriano De Iorio, der mit einfallsreichen Ausschmückungen das harmonische Gerüst der Stücke ausleuchtete. Kontrabassist Christian Fiechter und Schlagzeuger Bruno Meier legten zusammen mit dem Banjo-Spieler Peter Gutzwiller die Basis. Mit elastischer Dynamik brachten sie die Musik der Band zum Swingen.
Schon die alten Griechen wussten, dass Musik zum Wohlgefühl der Menschen beiträgt. So gesehen erwies sich der locker interpretierte Dixie-Jazz von «The Cotton Pickers» als ideale Verdauungshilfe für die Gäste im Restaurant Schützen. Bio, da handgemacht und erst noch alkoholfrei. Gesünder geht’s nicht!

April 24, 2017

Eine Hymne an die Liebe

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:30 am

Die Zürcher Sängerin Christina Jaccard und die Dave Ruosch Band tauchten ein in die Welt der Blues.

„Ich liebe dich so wie ein Hund seinen alten Knochen!“ Erwartungsgemäss lösten diese Worte im Publikum grosse Heiterkeit aus. So laute der Titel des nächsten Songs in seiner deutschen Übersetzung, meinte die Zürcher Bluessängerin Christina Jaccard bei ihrem Auftritt, der vom Jazzclub Ja-ZZ im Kulturkeller Schützen in Rheinfelden organisiert wurde. „Im Blues wird vieles direkt und in einfachen Worten gesagt,“ ergänzte die Sängerin.
Nicht nur der Text, auch die Melodie ist wichtig im Blues. Und es ist zentral, dass diese Musik mit gefühlter Leidenschaft vorgetragen wird, sonst kann sie ihre Wirkung nicht entfalten. Kein Problem für Christina Jaccard. Mit lodernder Hingabe trug sie Songs aus Blues und Jazz vor wie etwa der Klassiker „Come Rain or Come Shine“, der seit seiner Entstehung 1946 von fast allen grossen Jazzsängerinnen interpretiert wurde (nicht zu vergessen Ray Charles, der eine der genialsten Interpretationen dieses Songs abgelieferte). Mit plastischer Gestaltungskraft zelebrierte Jaccard diese Hymne an die unvergängliche Liebe mit Tagen voll Regen und Sonnenschein, wo sich Glück und Unglück die Wage halten.
Wesentlich zur Authentizität von Christinas Jaccards Interpretationen trug auch das Trio bei, das sie begleitete. Der Pianist Dave Ruosch legte eine im Blues geerdete Grundlange, der es aber nicht an subtil gestalteter Raffinesse fehlte. Nicht von Ungefähr, hat doch der Pianist zusammen mit Christina Jaccard 2012 den Swiss Jazz Award gewonnen. Stilsicher schliesslich die Rhythmusgruppe mit Luca Leombruni am Bass und Steve Grant am Schlagzeug, die für Christina Jaccard eine solide musikalische Basis legten. Hunde vergraben gelegentlich ihre Knochen. Christina Jaccard und die Dave Ruosch Band graben sie wieder aus und erwecken sie zu neuem Leben.

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